Pfad://Wurzeln/Die alten Oberländer 02

Die alten Oberländer 02

Der Name Oberländer, ein sogenannter Herkunftsname, ist nicht gerade selten. Aber man findet ihn fast ausschließlich in Oberfranken, Ostthüringen und Sachsen. Und Familien Oberländer außerhalb dieser Gegenden sind nur Abzweigungen mittlerer oder späterer Zeit, wie sich in den meisten Fällen urkundlich nachweisen ließ. Die noch blühende Familie Oberländer auf den Rittergütern Kleincrostitz, Güntheritz und Wiederau in der Provinz Sachsen stammt z. B. ebenfalls aus dem reussischen Oberlande, wo sich die Oberländer am frühesten Nachweisen lassen. Auffallend bei allen Oberländers, die bisher zu erforschen versucht wurden, ist der Umstand, dass sie meist schon nach wenigen Generationen auf Müller oder Hammerschmiede Oberländer zurückführten, und das hat für uns seine besondere Bedeutung.
Der früheste urkundliche Nachweis eines Oberländers ist die historische Tatsache, dass schon 1389 ein Heinrich Oberländer den Saalhammer bei Rudolphstein (im reussischen Oberlande, zwischen Hirschberg und Lobenstein) erwarb und damit von den Reussen belehnt wurde (Urkunde im Fürstl. Reuss. Hausarchiv in Schleiz). Die meisten seiner urkundlich nachweisbaren Nachkommen saßen wieder auf Hammerwerken und Mühlen. Und da sich Hammerwerke und Mühlen immer sehr beständig, oft jahrhundertelang, in denselben Familien vererbten, liegt der Gedanke nahe, dass auch alle Oberländers, die aus Mühlen stammen, zu den Nachkommen jenes Heinrich Oberländer auf dem Saalhammer zu rechnen sind, selbst wenn der Nachweis mangels geeigneter Urkunden nicht lückenlos zu erbringen ist.

^

Geh. Archivrat Dr. Berthold Schmidt vom Fürst. Reuss. Hausarchiv in Schleiz, ein bekannter Historiker, verfasste eine als Manuskript gedruckte Genealogie der Familie Oberländer (Schleiz 1925 bei Kuppe, Teitzenstein und Helmrich) im Auftrage des Bankiers Wilhelm Oberländer in Gera, und gibt da auch eine auf Urkunden gestützte, ziemlich ausführliche Beschreibung der frühesten Abstammungsverhältnisse der Oberländer, die für uns hier aber wenig Nutzen haben kann. Auch Schmidt gelingt es nicht, die Langenbernsdorf-Werdau-Greizer Oberländers den ältesten anzugliedern, da eben in Langenbernsdorf der Faden abreißt, und er erwähnt diese Oberländers nur, indem er zugleich auf die 1907 von dem Bäckermeister Robert Oberländer in Greiz (1837-1907) geschriebene kleine Familienchronik hinweist und deren offensichtlichen Irrtum, die Oberländers seien vertriebene Salzburger, zu widerlegen versucht. Schmidt teilt die nachweisbaren Nachkommen des Heinrich Oberländer von 1389 in folgende Häuser ein: Saalhammer, Hof, Lemnitzhammer, Kalpfenberg bei Nittenau in der Oberpfalz, Weissbach Rödern bei Ziegenrück, Oberleutersdorf bei Zittau (dies die geadelte Linie, die heute noch mit einem ehemaligen k. k. österr. Oberleutnant von Oberlaender in Wien blüht), Neustadt a. d. Orla, Schleiz, Rudolphstein-Cottenau, Cottenau bei Kulmbach, Saalburg, Lobenstein-Harra, Naila und Lichtenberg. Und von keinem dieser Häuser lassen sich die Vorfahren des Geraer Bankiers Oberlaender als Abkömmlinge erweisen: Der früheste urk. Vorfahr des Geraer Bankiers ist der Hammerschmied Wolfgang Oberländer in Markersreuth bei Münchberg in Oberfranken, der um 1620 geboren war und dort 1647/ 49 urkundlich erscheint.

^

So früh reißt schon der Faden ab. In unserem Falle sind wir also noch bedeutend besser daran. Dank glücklicher Umstände gelangen wir um rund hundert Jahre weiter rückwärts. Aber ein nachweisbarer Zusammenhang der Langenbernsdorfer mit den Markersreuth-Geraer Oberländer ergibt sich natürlich nicht, wie hier betont werden darf. Es ist zunächst ein ganz anderer Oberländer Kreis, der höchstens in frühster Vergangenheit, wie wir schon zeigten, die gleichen Wurzeln aufweist.
Aber auch die Markersreuth-Geraer Oberländers saßen bis etwa 1800 immer auf Mühlen. Das verbindet eben alle Oberländers, wie auch das urkundlich seit 1527 mehrfach belegte und in den Nachschlagewerken (Siebmacher, Weigel, Helmers usw.) abgebildeter Wappen Oberländer in mehreren Familien Oberländer erscheint und in seinen Emblemen auf die alte Hammerschmiedekunst hinweist. Der Schild des Wappens zeigt in rotem Felde ein silbernes Hammereisen. Der sogenannte Spangenhelm des Wappens ist gekrönt, und aus der goldenen Krone wächst das Hammereisen des Schildes zwischen zwei goldenen Zweigen (mit je drei nach außen gekehrten "Stimmeln", wie sich der bestätigende Wappenbrief ausdrückt), und über dem Hammereisen sieht man, zwischen die beiden goldenen Zweige geklemmt, einen sogenannten Spitzhammer (d. h. nur das Eisen davon). Die Helmdecke, die das ganze Wappen in Arabesken umflattert, ist nach den Regeln der Wappenkunst außen rot und innen silber.

^

Wir dürfen ruhig versuchen, die Stammreihe von unserem Stammvater Martin Oberländer (geb. um 1520) weiter nach rückwärts fortzusetzen. Um 1550/60 muss er die Langenbernsdorfer Mühle erworben haben. Sein jüngerer Bruder scheint Thomas Oberländer (1528-1603) auf der benachbarten Langenhessener Mühle gewesen zu sein; einer der Söhne wohl Peter Oberländer, 1563 vom Zwickauer Rat als Brettschneider angenommen. Einen Oberländer, welcher der Vater von Martin und Thomas hätte sein können, gab es in der Langenbernsdorf-Langenhessener Gegend nicht. Also müssen wir uns ein Stück weiter wenden. Da finden wir nun einen Heinz Oberländer in Zwickau, der wohl der Vater oder Großvater von Martin und Thomas und vielleicht der Großvater oder Urgroßvater des im Jahre 1563 nach Zwickau berufenen Peter Oberländer aus Langenbernsdorf gewesen sein könnte. "Ich Heinz Oberlaender vnd Alathe mein eeliche wirthin schulden dem Junker Hans Hanfmuz zu Zwickau 30 Gulden; gegeben am Tage nach Franciscus 1486 (laut Schultheißbuch 1486/92 im Stadtarchiv Zwickau, Blatt 5 a). Dieser Heinz Oberlaender braucht nicht einmal in Zwickau gewohnt zu haben. Er kann bei Zwickau ansässig gewesen sein oder sich einige Jahre in Zwickau aufgehalten haben, wie das damals zu Spekulationszwecken viele Auswärtige taten, die dem eben erwachten Schneeberger Silberbergbau nahe sein wollten (Schneeberg selbst war als kaum erst entstandene Ansiedlerkolonie noch nicht bequem zu bewohnen, deshalb hielten sich die meisten Unternehmer und Anteilhaber in Zwickau auf). - Blicken wir nun auf die früheste Oberländer-Genealogie so gewahren wir gerade um jene Zeit einen Heinrich Oberländer zu Hof in Bayern, der unterm 26. Mai 1487 als Bürger erscheint.
Er könnte unter Umständen der Zwickauer Heinz Oberlaender sein, dessen Wohnstatt uns unbekannt ist. Die Beziehungen zwischen Hof und Zwickau waren sehr rege, weil beide Städte eine große Handelsstraße verband. Man findet mehrere Hofer und Zwickauer Geschlechter im Austausch miteinander.

^

Ein urkundlicher Nachweis der Identität Heinz/Heinrich Oberländer ist bislang freilich nicht zu erbringen gewesen. Nach Schmidt war Vater des Hofer Heinrich: der 1472-1487 urkundliche Georg Oberländer, der 1472 zusammen mit seinem Vetter Hans Oberländer mit dem schon erwähnten Stammgute, dem Saalhammer, belehnt wurde, 1479 ein Fischwasser (Fischereirecht) in der Saale bei Treppenstein kaufte, des weiteren 1483 mit der Hammerschmiede belehnt wurde, desgleichen mit dem Rittergut Sachsenvorwerk bei Sparnberg an der Saale, von dessentwegen er Ritterdienste zu leisten hatte und zu den Herzögen von Sachsen in einer Art Schutzverhältnis stand (1487). Seine Gattin hieß mit dem Vornamen Dorothea. Als Vater dieses Georg Oberländer wird ein Wilhelm Oberländer vermutet, der aber nur bei dem unzuverlässigen Genealogen Valentin König (Mitte des 18. Jahrhunderts) erscheint und mit einer geborenen Mengersreuth verheiratet gewesen sein soll. Vater sei (ebenfalls nach König) der 1389 mit dem Saalhammer belehnte Heinrich Oberländer gewesen. Wir brauchen natürlich nicht hervorzuheben, dass Geheimrat Schmidt die eben zitierten König´schen Filiationen mit der größten Zurückhaltung wiedergibt, da ja die urkundlichen Beweise für diese beiden Zusammenhänge (Heinrich-Wilhelm-Heinrich) heute fehlen, während sie dem Genealogen König u. U. noch vorgelegen haben können.
Aus der Oberländer -Genealogie von Schmidt wollen wir noch erwähnen, dass die Familie des Geraer Bankiers Oberlaender im Laufe der Jahrhunderte ansässig war in Markersreuth, Ahornberg bei Münchberg, Pöltschenhammer bei Berga a. d. Elster, Groß-Saara, Oelsdorf-Mühle, Kraftsdorf, Hausdorf, Hausmühle, Angermühle und Cubamühle in Gera, Gera-Untermhaus, Töppeln und Tinz bei Gera, Auligk bei Groitzsch i. Sachsen, Gittelde und Fürstenhagen im Braunschweigischen, Orenburg in Rußland, Dresden, Leipzig, Zeitz, Weissenfels, Madrid und Amerika. Einbegriffen sind dabei mehrere Rittergüter. Des Bankiers Vater Reinhard Oberlaender (1841-1895) war Kaufmann in Leipzig und Gera, der Großvater Traugott Oberlaender (1798-1865), verheiratet mit einer Adelheid Kempte aus Crimmitschau, Kaufmann in Gera-Zschochern; der Urgroßvater Heinrich Oberländer (1758-1837) Mühlenbesitzer in und um Gera; der Ururgroßvater Joh. Georg Oberländer (1726-1805) Mühlenbesitzer etc. in Gera; dessen Vater Hans Georg Oberländer (1682-1765) Mühlenbesitzer etc. in Gera; Großvater Hans Georg Oberländer (1646-1710) auf dem Pöltschenhammer bei Berga; und dessen Vater endlich der schon erwähnte Stammvater Wolfgang Oberländer (geb. um 1620) auf der Hammerschmiede Markersreuth bei Münchberg in Oberfranken.

^

Und noch eine Familie Oberländer ist halbwegs erforscht, die Weidaer; allerdings noch weniger weit zurückreichend. Schmidt hat sie in seiner Oberländer-Genealogie nicht erwähnt, da er vermutlich keine Kenntnis von ihrer Existenz hatte. Ich verdanke sie Herrn Regierungs-Verterinärrat Albin Eduard Oberlaender (geb. 1857) in Apolda, dessen Bruder Paul Oberlaender (geb. 1860) während des Krieges in Amerika starb, während der jüngere Bruder Tierarzt Ernst Richard Oberlaender (1864-1914) in Weida war, der des Vaters, Eduard Hermann Oberländer (1829-1887), Praxis übernommen hatte. Dessen Vater wieder war der Huf- und Waffenschmied Friedrich August Oberländer (1800-1884) in Weida, der nach damaliger Sitte wohl schon die Heilkunst an Pferden ausgeübt haben mag ("Kurschmied"). Sein Vater war der Huf- und Waffenschmied Johann Friedrich Karl Oberländer (1765-1842) in Weida, der in Köfeln bei Weida als Sohn des späteren Weidaer Kutschers Simon Oberländer (1728-1804) geboren wurde. Vorläufig bekannter Stammvater dieser Familie ist dessen Vater, der Bauer und Einwohner Hans Oberländer (ca. 1700 bis 1770) in Köfeln, der gewiss einer Schmiedefamilie Ostthüringens entstammte. Leider ist auf die weitere Erforschung dieser Familie noch kein Wert gelegt worden.

Um zu den Langenbernsdorf-Werdau-Greizer Oberländers zurückzukehren, so sei erklärt, dass die Sage von der Salzburger Abstammung eine absolut unhaltbare Tradition jüngeren Datums ist, die ihren Ursprung wohl nur in der Greizer Bäckerlinie der Familie genommen hat. Als der Salzburger Erzbischof Leopold Anton Graf v. Firmian (1679-1744) im Winter 1731/32 die 30 000 Protestanten vertrieb, saßen die Vorfahren unserer Linie urkundlich nachweisbar auf der Oberländermühle in Werdau (heute noch so genannt), auf die sie 1724 aus Langenbernsdorf gekommen waren, und da kennen wir sie lückenlos seit 1563. Zwar gibt die erwähnte Tradition auch zu, dass man aus Langenbernsdorf stamme; aber dahin sei 1738 der Stammvater Johann Georg Oberländer (den es überhaupt nicht gegeben hat) als flussabwärts wandernder Salzburger Müller gekommen. Diese Tradition ist also unbedingt at acta zu legen. Es ist auch nicht anzunehmen, dass etwa der um 1520 geborene Stammvater Martin Oberländer aus Salzburg gekommen sei. Dagegen spricht alles Historische, das wir ja zum Teil schon zitierten. Richtiger ist die Tradition, die sich in der Familie des sächs. Innenministers Martin Oberländer (1801-1868) erhalten hat, dass man schon seit unvordenklichen Zeiten auf der Langenbernsdorfer Mühle gesessen und vor der Reformation den Vornamen Andreas und danach den Vornamen Martin konstant vererbt habe; das stimmt wenigstens zu einem Teile.

^

Geben wir noch einen überblick, wie sich ungefähr die Abzweigungen von unserem Stamme vollzogen haben. Am frühesten zweigte wohl eine Linie nach Langenhessen bei Werdau ab, die sich ihrerseits weiter nach Werdau, Zwickau, Schneeberg, Eilenburg, Marienthal usw. verbreitete. Eine andere Linie wandte sich, wie schon erwähnt, von Langenbernsdorf nach Zwickau, wo sie zu besonderem Ansehen kam; um jene Zeit eine andere auch nach Stöcken bei Langenbernsdorf (mit dem heutigen Viehhändler und dem Gasthofsbesitzer Oberländer), Nieder-Albertsdorf bei Langenbernsdorf, Grumbach bei Waldenburg und Langenreinsdorf und Wahlen bei Crimmitschau; schließlich auch Kleinbernsdorf; das alles vor dem Dreißigjährigen Kriege. Während des großen Krieges selbst zweigte eine Linie auf die Kleinbernsdorfer Mühle ab, wo inzwischen die alten Oberländer ausgestorben waren. Dann kommen Ende des Jahrhunderts die zahlreichen Abzweigungen nach Werdau, die heute noch in Werdau und Crimmitschau blühen. Wer heute nach Werdau kommt, dem fällt im Hauptstraßenzug das Firmenschild eines Getreidegeschäftes Oberländer in die Augen. In Crimmitschau sind es nur mehr Arbeiter und Handwerker, die den Namen Oberländer tragen. Aber auch sie hatten einst sesshafte Vorfahren, Mühlenbesitzer und "Gastgeber".

Eine Linie von besonderem Ansehen begründete der sächs. Innenminister (auch Märzminister genannt) Martin G. Oberländer (1801-1868) aus der Langenbernsdorfer Mühle, ein Urgroßvetter des Fraureuther Pfarrers Chr. Friedrich Oberländer (1796-1868), der nur ein reichliches Vierteljahr vor dem sächs. Minister starb und wohl nicht ahnte, dass auch sein eigener Enkel (damals noch nicht einmal geboren) dereinst Minister werden sollte (William Oberländer, geb. 1869 in Greiz). Der sächs. Märzminister war zugleich auch Urgroßvetter des Greizer Bürgers und Weißbäckers Carl Ferdinand Oberländer (1805-1866). Die Linie des Märzministers sandte weitere Abzweigungen nach Dresden, Leipzig und England, wird aber nun im Mannesstamme erlöschen. Des Ministers älterer Bruder blieb auf der Langenbernsdorfer Mühle, die 1916 in andere Hände überging, da männliche Erben fehlten. Eine Abzweigung blüht noch auf einem Langenbernsdorfer Gute, eine andere, die Baumeisterlinie, ist zwar im Crimmitschauer Mannesstamm erloschen, blüht aber in etlichen Abzweigungen unbekannter Windrichtung fort. Eine Menge Abzweigungen gab es in dem Jahrzehnt 1746/74 in Werdau, wozu auch die Werdauer Fabrikanten Oberländer gehören. Wir konnten sie aber im einzelnen nicht verfolgen, weil das den Rahmen dieser konzentriert geplanten Arbeit gesprengt haben würde. Und endlich zweigten in Greiz mehrere Linien ab, deren Glieder man noch als nahe Verwandte anerkennt und von denen im Texte weiter die Rede sein wird.

^

Aber auch bevor 1777 Johann Gottfried Oberländer (1740-1808), der Urgroßvater Robert Oberländers, nach Greiz kam, hat es dort schon einmal Oberländer gegeben,, die in keinem irgendwo nachweisbaren Zusammenhang mit ihm ständen. Es war erstlich der Bürger und Bäcker Hans Oberländer (1627), den wohl der große Krieg irgendwoher dahin verschlagen hatte, und der am 24. April 1668 in Greiz begraben wurde. Seine Witwe Sabina bestattete man am 15. April 1684. Geheiratet hatten beide wohl vor 1634. Ihre Söhne scheinen der Bürger und Riemer (=Sattler) Meister Christoph Oberländer, getraut am 27. April 1669 mit "HedeWigaSchultzin", und der "Schloß-Stubenheizer" Daniel Oberländer, getraut am 21. Januar 1679 mit der Witwe Susanne Zippel, gewesen zu sein. Beider Kinder sind wieder gestorben, das letzte 1686. Dann gibt es knapp hundert Jahre den Namen Oberländer nicht mehr in Greiz. Als aber Johann Gottfried Oberländer zuzog, lebte in Greiz schon wieder (seit 1764) der zufällig gleichaltrige Bürger und Fleischhauermeister Johann Michael Oberländer (1740-1813), der aber als Sohn des Werdauer Bürgers und Fleischerobermeisters Gottfried Oberländer (1710?-1762) kein naher, sondern nur ein ganz entfernter Verwandter war. Er hatte 1764 (als auch Johann Gottfried heiratete) seine Frau, eine geborene Maltz, aus der Hirschmühle bei Greiz geholt. Also auch bei ihm noch eine wohl ererbte Vorliebe für das Mühlen-Milieu. Diese Frau starb indes bald, und er heiratete 1777 (als Johann Gottfried nach Greiz kam) eine Tuchmacherswitwe Barth, und 1779 in dritter Ehe eine Fleischertochter Clauss, beide aus altbekannten Greizer Handwerksfamilien. Von allen Kindern blieb ihm nur der Sohn dritter Ehe Heinrich Gottlob Oberländer, geboren 1781, Bürger und Fleischhauer in Greiz, den wir aber nur bis 1819 dort finden, zuletzt genannt als Vater eines dritten unehelichen Kindes.

Auf einer einzigen Mühle gibt es unseres Wissens noch heute einen Oberländer. Das ist Alwin Oberländer, 1922 noch Besitzer der Steinmühle in Hirschberg an der Saale, auf der seine Familie schon seit Generationen ansässig sein soll, also ganz in Nachbarschaft des alten Saalhammers, wo schon 1389 der vermutete Stammvater Heinrich Oberländer erscheint. Der bekannte Münchener Maler Wolf Adam Oberländer (nach anderen Adolf), Mitarbeiter der Fliegenden Blätter und Schöpfer des Oberländer-Albums, wurde am 1. Okt. 1845 in Regensburg geboren, vielleicht aus einer der Oberpfälzer Linien.

^

Zum nun folgenden Texte: Das die Beurkundungen der ersten Generationen etwas lückenhaft sind, wird durch das teilweise Fehlen der einschlägigen Kirchenbücher hinreichend erklärt und braucht wohl nicht im einzelnen erwähnt zu werden. Die Schreibweise der vergangenen Zeiten ist mitunter so originell, dass ich es vorgezogen habe, den Namen da und dort die alte Form zu lassen und auch sonst möglichst viel Kirchenbuch- und Urkundentext buchstäblich zu zitieren. Auch wenn nicht überall Anführungsstriche stehen, ist vieles doch als Zitat aufzufassen.
Diese Geschichte der Familie Oberländer aus Langenbernsdorf, Werdau und Greiz wurde Anfang des Jahres 1928 ausgearbeitet und verfasst, zunächst aufgrund eigener Forschungen in den einschlägigen Kirchenbüchern, im Sächsischen Hauptstaatsarchiv zu Dresden, in den Amtgerichtsarchiven Zwickau und Werdau, und des weiteren unter Benutzung einiger Oberländer-Notizen, die ich mir schon in den Jahren vorher bei gelegentlichen Forschungsarbeiten in anderen Pfarrarchiven machte. Anreger und Auftraggeber ist Herr Minister a. D. Generalstaatsanwalt William Oberländer (geb. 1869 in Greiz) in Jena, der damit besonders seinen Geschwistern, Neffen und Nichten einen Dienst für die Zukunft leisten will. Ihm sei, wie allen, die mir halfen, an dieser Stelle Dank für die freundliche Bereitstellung von Material gezollt.

Möge es den Oberländers aller Linien vergönnt sein, der stattlichen Generationenreihe noch manches glückliche Geschlecht hinzuzufügen.

Crimmatschau, im Dezember 1928

Dr. Lindner

Carolaplatz 4

Quelle: Genealogie der Oberländer, in meinem Besitz, Verfasser unbekannt.

Seite zurück Seite vor

Schutzrechtsverletzung:

Falls Sie vermuten, dass von dieser Website aus eines Ihrer Schutzrechte verletzt wird, teilen Sie das bitte umgehend per elektronischer Post mit, damit zügig Abhilfe geschafft werden kann. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis: Die zeitaufwändigere Einschaltung eines Anwaltes zur für den Diensteanbieter kostenpflichtigen Abmahnung entspricht nicht dessen wirklichen oder mutmaßlichen Willen.

Seitenanfang