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Die alten Oberländer 03 Die Herkunft der Familie Oberländer I.

Nach den ältesten urkundlichen Nachrichten stand die Wiege des Geschlechts Oberländer an der mittleren Saale in Thüringen. 1389 verkaufte Petzold von Sparnberg, damals auf Moos bei Rudolphstein gesessen dem Heinrich Oberländer und seinen Erben den Hammer unter dem Eisenbühl - so heißt die dem heutigen Orte Saalbach, wo die Hammerstätte lag, auf dem linken Saaleufer gegenüberliegende Höhe - mit allen Zugehörungen diesseits und jenseits des Flusses, mit dem Erbzinse eines Schocks Meißner Groschen, halb auf Michaelis und halb auf Walpurgis fällig, sowie mit einer Weihnachtsemmel zu drei Groschen. Sollte der von Sparnberg den genannten Hammer nichts zu schützen im Stande sein, so sollten Oberländer oder seine Erben befugt sein, die sich einen anderen Schutzerben zu wählen. Petzold von Sparnberg stand mit dem Rittergut Rudolphstein, um zu außer dem Schloß das Dorf gleichen Namens, die Wüstung Hals unterhalb Moos, der Eisenbühl und der Saalhammer, wie die Erwerbung Oberländers bis hoch in der 17. Jahrhundert hinein hieß, worauf sich dann der Name Saalbach einbürgerte, gehörte, einst unter der Lebenshoheit der Vögte von Plauen, was wohl wieder mit deren "Höser Lehen" im Regnitzland zusammen hing. Der Saalhammer war jedenfalls, wie aus der Urkunde vom 1389 hervorgeht, schon vor diesem Jahr da. Nach dem Ableben des Petzold von Sparnberg bestätigte 1409 dessen Bruder Georg dem selben Heinrich Oberländer unter seiner ehelichen Wirtin nochmals den erblichen Besitz des Hammer und 1421 wiederholte Konrad von Lüchau, an welchem der Rudolphstein vorübergehend gekommen war, abermals zu solcher Verleihung. Weiterhin besaß ebenfalls vorübergehend ein Konrad von Woltersdorf und einen Kunz von Zedwitz das Schloß, man aber erworben es die von Dobeneck. 1725 legten die Oberländer dem reußischen Lehnshof in Gera einen ihrer Vorfahren über den Saalhammer 1426 erteilten Lehnbrief des Kunemund von Dobeneck im Original vor und gaben dabei an, daß die Originale einer ihren 1472 von Fabian von Dobeneck über den Freikauf ihres Hammers erteilten Urkunde, sowie eines Lehnbriefes des Herrn von Gera aus dem gleichen Jahre im 30-jährigen Krieg verloren gegangen wären. Diese beiden Urkunden werden uns weiterhin noch beschäftigen. Der zuerst erwähnte Heinrich Oberländer und Frau Unbekannten Vor- und Familiennamens werden in dem Dobeneckschen Lehnbrief von 1426 zum letzten Male urkundlich genannt. Ehe wir aber von Heinrich scheiden, wollen wir hier die Frage nach seiner heimatlichen Herkunft auf Verwerfen. Bis sie sind nämlich darüber zwei sehr merkwürdigen Nachrichten vorhanden. Zunächst steht in einer Leichenpredigt, welche der Pastor Nikolaus Hugo in der über den 1656 verstorbenen Johann Oberländer auf Rudolphstein und Cottenau drucken ließ: es wäre " männiglich bekannt, daß dieses vornehme Geschlecht der Oberländer nur ein adnomen, indem, wie dero alte Documenta ausweisen, sie zuvor die Lehneysen geheißen und genannt worden und die sie dero vornehmen Stand vor etzich 100 Jahren her zu erweisen und die sehr ansehnliche Privilegia zu produzieren. "

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Sodann erzählt König über die Herkunft des Geschlechts: Obwohl Kriegszeiten und vielfältiger höchst schädliche Feuersbrünste die " sichersten " Urkunden des selben völlig vernichtet hätte und besonders durch den 1719 in Oberleutersdorf entstandenen Brand ein ausgeführter Oberländischer Stammbaum ein Raub der Flammen geworden sei, so könne doch die Vogtländische Kirche zu Weißbach das Alter des Geschlechts beweisen, daß damals in der bayerischen Pfalz und in Franken besonders berühmt gewesen sei. In dieser Kirche soll man nach König zu seiner Zeit " die 16 Ahnenwappen Heinrichs von Oberland angemalt " haben sehen können, der 1389 ausgewandert, das Haus Classenberg, in besagten Vogtland gelegen, erkauft unter sich mit einer von Hellsdorf vermählt habe etc. hierbei handelt es sich nun jedenfalls nicht umgehen 1389 urkundlich erscheinenden ältesten Ahnherrn des Geschlechts dieses Vornamens, Jahr überhaupt und keinen Heinrich, sondern um Hanns Siegmund Oberländer, einen Nachkommen jenes ersten Heinrichs, welcher Hans Sigmund 1622 das Rittergut Weißbach mit dem Vorwerk Rödern von denen von Poseck erkaufte und mit dessen Söhnen Siegmund Heinrich (gestorben 1671) und Hans Apel (gestorben 1692) das Haus Weißbach-Rödern ausstarb. Das Kirchdorf Weißbach liegt zwischen dem reußischem Amt Lobenstein und dem preußischem Amte Ziegenrück ungehört in der Hauptsache zum Schwarzburg-Rudolfstadtschen Amte Leutenberg. Nur ein Freigut und einige Frohnbauern, die früher zum Rittergut gehörten, sind reußisch. Die von König erwähnt werden angemalten Wappen der 16 Ahnen jenes von ihm sächsisch Heinrich benannten Oberländers lassen vermuten, daß es sich um einen aus Holz gemaltes Epitaphium aus dem 17. Jahrhundert wandelt, das zu Königs Zeiten (ca. 1736) noch vorhanden, wohl schon sehr schadhaft und bezüglich der Inschriften schwer lesbar war und später durch Brand und Verfall zu Grunde ging. Ein anderes Weißbach, es gibt derer noch mehrere in Thüringen, als obiges kann nicht in Frage kommen, da eben nur dieses eine Zeit lang in Besitz der Oberländers war. Endlich mußte der hier Begrabene auch deshalb mit dem um 1644 verstorbenen Hanns Siegmund identisch gewesen sein, weil dessen Frau, die König als einen Bewohner von Helldorf angibt, Juliana von Helldorf aus Herrschdorf war. König hat offenbar das Weißbacher Epitaphium für seine Genealogie der Oberländer, doch weil es ihm meistens nur darauf ankam, Adel und ruhmvolle Vergangenheit der von ihm behandelten Familien möglichst hervorzuheben, in einer willkürlichen und geschichtsschädigenden Weise verwertete, so daß, wo nicht andere Urkunden seiner Angaben bestätigen, durchaus kein Verlaß auf ihn ist.

Auch für die Leichenpredigt auf den 1691 verstorbenen Hans Georg von Oberländer zu Oberleutersdorf scheinen die Ahnenwappen des Weißbacher Grabmales verhängnisvoll geworden zu sein; denn die in ihr gebrachte Ahnenreihe desselben wimmelt geradezu um Unrichtigkeiten und Verwechselungen. Auch davon später.

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Was dann die Oberländersche Familiensage anbetrifft, daß das Geschlecht aus der Oberpfalz stamme und sich von der dort früheren angesessenen adeligen Familie von Löhneisen abgezweigt habe, so findet sie sich zuerst in der bereits vermerkten Leichenpredigt auf Johann Oberländer vom Jahre 1656. Es ist also anzunehmen, daß sie wirklich einen gewissen geschichtlichen Kern hat und zunächst den, daß der 1389 genannte Ahnherr des Geschlechts aus der Oberpfalz in das Vogtland eingewandert ist. Wie freilich dessen Zusammenhang mit den von Löhneysen ist, bleibt vorläufig noch ein ungelöstes Rätsel. Der frühere Kammerdirektor Freiherr Friedrich von Löhneysen in Braunschweig (gestorben 1878), welcher ein eifriger Genealoge war und dessen Arbeiten über seine Familie später an das Landeshauptarchiv Wolfenbüttel gekommen sind, weiß nichts über verwandtschaftliche Beziehungen seiner Vorfahren zu den Oberländern. Er beginnt seinen Stammbaum mit Siegmund von Löhneysen zu Sulzbach, der urkundlich von 1480 - 1503 erscheint und wahrscheinlich aus der schon 1400 daselbst vorkommenden bürgerlichen Familie Löhneyß stammt. Der Name wird in verschiedenen Kommentaren zu Wolframs von Eschenbach Dichtung Parsival, wo er wiederholt erscheint, als " Der Laonese " d. h. der Mann aus Laon in Franken (Frankreich) erklärt. Die Siegmunds Sohn Jakob wird von 1504 bis 1523, sein Enkel Rochus von 1563 bis ca. 1585 beurkundet und weitere Nachkommen des ersten Siegmund, die ebenfalls Siegmund und Rochus hießen, waren noch 1628 Erbherren auf Witzlasreuth. Ferner besaßen die Löhneysen die sämtlich in dem heutigen oberpfälzischen Bezirksamt Kemnat gelegenen Landesaßengüter Kaibitz (1507-1599), Oberschönreuth (von 1527 bis Mitte des 17. Jahrhunderts) und Neuesteinreuth (von 1635 bis ungefähr eben dahin). Diese Güter lagen also durchweg an Südhängen des Fichtelgebirges, während der Besitz, welchen die Oberländer im 16. und 17. Jahrhundert in der Oberpfalz hatten, wovon weiterhin zu berichten, sich im Regental bis Cham aufwärts bestanden, also ziemlich entfernt von den Gütern der Löhneysen lagen. Letzterer starben dann um die Mitte des 17. Jahrhunderts in der Oberpfalz aus.

 

Von ihnen wandte sich Georg Engelhardt Löhneys , wie er sich selbst, also ohne von schrieb, der zuletzt erwähnten Rochus Sohn (geb. 1552, gestorben 1622) ins Braunschweigische, wurde hier 1596 der Hauptmann und erwarb sich um den Bergbau seiner neuen Heimat große Verdienste. Er kaufte die Güter Remmlingen und Steindorf unweit Wolfenbüttel. Von seinen Nachkommen leben heute noch einige und führen den Freiherrtitel. Auch die Löhneysen in der Oberpfalz scheinen anfänglich, wie die Oberländer im Vogtland, Hammerschmiede gewesen zu sein, die durch ihr Gewerbe und dem damit verbundenen Bergbau wohlhabend wurden, Rittergüter kauften und schließlich zum landsässisch im Adel empor stiegen. Das Wappen der Löhneysen weiß sie nicht auf einen Zusammenhang zwischen ihnen und der Familie Oberländer hin. Während letzterer stets das Hammereisen im Schilde auf dem Helme führte, zeigte das Löhneysenwappen in älterer Zeit eine ganze Vogelfigur (Rabe oder Adler) im Laufe der Jahrhunderte wurde ein schwarzer Adlerkopf in goldenem Felder daraus, dessen Hals von rechts nach links von einem Pfeile durchbohrt ist. Auf den Helm wiederholt sich dasselbe Bild. Die Wappen beider Familien können aber wohl erst zu einer Zeit entstanden sein, als sie sich dieselben, wenn überhaupt einen Zusammenhang zwischen beiden bestand, schon getrennt haben. Auffällig ist noch, daß der Vornahme Siegmund, wer bei den Löhneysen bereits im 15. Jahrhundert erscheint, sich auch bei den Oberländern, aber erst zwei Jahrhunderte später wiederholt findet. Das hängt offenbar damit zusammen, das von ihrem Hauptlinien, den Oberländer an der Saale um die Mitte des 16. Jahrhunderts ein Abkömmling in die Oberpfalz gekommen ist und hier einen Nebenzweig seines Geschlechts eröffnet hat. Dieser, Fabian mit Namen, unter seinen Nachkommen erwarben sich auch verschiedenen Güter im Regental. Wo so besaßen sie nachweislich von 1573 bis Anfang des 18. Jahrhunderts das Landsaßengut Kapfenberg im ehemaligen pfalzneuburgischem Pflegeramt Regenstauf. Das Kapfenberg kein altes Lehen der Oberländer war, erhellten daraus, daß Wilhelm Oberländer, ein Sohn Fabian, seit 1573 erstrebte, die Landsaßei und Hofmarktsgerechtigkeit auf genannten Gut erlangen, was er schließlich auch erreichte. Ferner besaßen dieser oberpfälzischen Zweig des Geschlechts von 1619 bis 1661 was in der Kurpfalz gelegenen Berggut Nittenau am Regen und um 1667 das Gut Biedensdorf bei Cham.

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Bald darauf scheinen die Oberländer hier ausgestorben zu sein. Wir werden noch darauf zurückkommen. Es ist nun wohl denkbar, daß die Mitglieder des Geschlechts in der Oberpfalz, um eben die erstrebte Landsasserei in jenem Gebiet zu erhalten, eine alte, weit zurückliegende verwandtschaftliche Beziehungen zu den Löhneysen hervor suchten und zu erwähnten Zwecke benutzten. So dürfte damals die Familiensage von der Abstammung der Oberländer von den Löhneysen entstanden sein.

Der 1389 genannte Heinrich Oberländer, der vielleicht aus der Oberpfalz ins Vogtland eingewandert, ist also der älteste bekannte Stammvater des ganzen Geschlechts, daß im Mittelalter im Vogtland, in Oberfranken und Thüringen eingesessen war und sich in der Folgezeit über ganz Deutschland ausgebreitet hat. Nun kann man hier nicht mit Sicherheit behaupten, daß alle Oberländer, die es in deutschen Lande gibt, gerade von den Vogtländischen Geschlechts abstammen; wenn der Nachweis der Abstammung ist meistens gar nichtmehr zu erbringen. Aber man darf wohl wenigstens annehmen, wenn eine Familie Oberländer aus dem Vogtland, Oberfranken und dem Schwarzburgischen, wo die drei Hauptlinien des Geschlechts saßen, stammt, wenn ferner in ihrer Stammreihe dieselben Vornamen, wie sie bei den Nachkommen des ersten Heinrich vorkommen, zu finden sind, um wenn endlich für solche Familien Oberländer das alte Hammerwappen des vogtländischen Geschlechts im Siegel führen, daß dann wohl ihre Abstammung von jenen ersten Hammermeister Heinrich unbedenklich angenommen werden darf.

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Wie die oberpfälzische, später in Braunschweig freiherrlich gewordene Familie von Löhneysen aus dem ersamen Stand der Hammerschmiede hervorgegangen ist, so haben auch die Oberländer die gleiche Entwicklung durchgemacht. Nur sind sie nicht aller adelig geworden, sondern ein großer, ja der größte Teil ihrer Stammgenossen ist gutbürgerlich geblieben. In ihnen finden wir alle Stände vertreten, Beamte, Pfarrer, Juristen, ärzte, Kauf- und Handelsherren, Handwerker, die Bauern und einfacher Handarbeiter. Es gibt unter ihnen zwar noch heute eine freiherrliche Familie von Oberländer, die aus dem Rudolfstädter Unterast der Schwarzburgischen Hauptlinie hervorgegangen ist. Aber ihr Beginner Eduard Oberländer, der ein Sohn Heinrich Oberländer, Pfarrer zu Pferdsdorf b. Hildburghausen war und als Bankdirektor und geheimer Finanz-und Staatsrat 1879 in Meiningen starb, ist erst 1865 von Herzog von Sachsen-Meiningen geadelt und in den Freiherrstand erhoben worden.

Quelle: Genealogie der Oberländer, in meinem Besitz, Verfasser unbekannt.

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