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Die alten Oberländer 04 Die Herkunft der Familie Oberländer II.


Auch die im Mittelalter an der Saale und Selbitz gesessenen Oberländer wohnen im 15. Jahrhundert noch keineswegs zum ritterbürdigen Adel " der eherbaren Mannschaft" gerechnet. Sie werden im Urkunden und Briefen aus dieser Zeit noch nicht mit dem für dessen Mitglieder üblichen Prädikat " ehrbare und feste ", sondern mit "vorsichtige" und "ehrsame weise" angeredet. In der Lobenstein Teilung von 1509 wird dann allerdings schon Wilhelm Oberländer - wohl wegen des Ritterlehens Rudolfstein - unter den eherbaren Mannen dieser Herrschaft ausgeführt, und so erscheint es einigermaßen gerechtfertigt, wenn am 14. Juli 1623 Kaiser Ferdinand II. dem Reuß-Plauischen Rat und Hofsekretär Tobias Oberländer in Schleiz, sowie seinen Geschlechtsvettern, den Brüdern Erhard, Hans dem älteren und Hans dem Jüngeren Oberländer, auf ihren Antrag den von ihnen behaupteten alten Adelsstand erneuert und das von der Familie bisher geführte Wappen anerkennt. Von diesem Diplom wurden damals zwei Exemplare angefertigt, dass eine für den Tobias, dass andere für seine eben genannten Vettern. Der Wortlaut des letzteren ist nur noch in Druckwerken vorhanden und zwar bei König und bei Biedermann. Das Exemplar für Tobias wurde zuerst auch von Biedermann am gleichen Ort abgedruckt. Es ist aber noch heute im Original vorhanden. Solches war bis vor kurzem in Händen der Witwe des königlich bayerische Majors Albert von Oberländer in München und befindet sich heute in Besitz des k.u.k. Oberleutnants Hermann von Oberländer in Wien. Dieses Original ist z. Zt. 14 Zentimeter breit und 46 Zentimeter hoch. Es ist zweifellos einmal größer gewesen, aber nach unten hin beschnitten worden. In der linken Ecke sieht man noch die etwas verblasste Unterschrift des Kaisers. Jedenfalls auf der Pliktatur (Faltung) befindet sich gewesene Gegenzeichnung des Kanzlers und der Kollalitionsvermerk fehlen aber und eben so fehlt das an einer Schnur hängende kaiserliche Siegel.
Wie die Drucker beider Ausfertigungen zeigen, hatten sie, abgesehen von dem Namen der Oberländer und einiger grafischen Abweichungen, den gleichen Wortlaut. Das für Tobias bestimmte Exemplar mag seiner Bedeutung wegen der nochmals im Druck und Bild mitgeteilt werden. Es lautet:

Wir Ferdinand der Ander von Gottes gnaden Erwählter Römischer Kaiser zu allen zeitten Mehrer des Reichs, in Germanien, zu Vngern, Behalm, Dalmatien, Croatien und Selanonien etc. Kunig, Erezherczog zu östereich, Herczog zu Burgundt, zu Brabandt, zu Steyr, zu Kärndten, zu Crain, zu Luczemburg, zu Wirttemberg, ober vnd Nider Schlesien, Fürst zu Schwaben, Marggraue des Heiligen Römischen Reichs zu Burgau, zu Märhern, ober vnd nieder Laussnicz, Gefurster Graue zu Habsburg, zu Tyrol, zu Pfirdt, zu Kyburg, vnd zu Görcz, Landtgraue in Elsass, Herr auff der Windischen Marck, zu Portenau vnd zu Slins etc. Bekennen öffentlich mit diesem Brieff vnd thun kundt allermenniglich: Wiewo Wir aus Römischer Kaiserlicher Höhe vnd Wirdigkeit, darein Vnns der Allmechtig nach seinem Vätterlichen willen geseczt hat, auch angeborner Güte vnd mildigkeit allczeit genaigt seind aller vnnd yeglicher Vnserer vund des Heyligen Reichs, auch vnserer Erbkünigreich, Fürstenthumb vnd Landt Vnderthanen vnd getrewen Ehr, nucz, aufnemen vund pestes zu betrachten vnd zu befurdern, So würdet doch Vnser Keyserlich gemueth pillich mehr bewegt vnd begierlicher die jähnigen mit mehrern Gnaden vnd Freyhaiten zu begaben, deren Vor Eltern vnd Sy in guetem Ehrlichen Standt herkomen, sich Adelicher gueter Sitten, Tugent, Wandel vnd wesens heuleifsen, auch Vnns, dem Heiligen Reich vnd vnsern hochlöblichsten Haucz Osterreich vor andern mit getrew vnd bestendiger Dienstbarkait gehorsamlich anhengig vnd verwandt seind. Wann Wir nun gnediglich angesehen, wahr genomen vnd betrachtet die Erbarkeit, Redelichait, guete Adeliche Sitten, Tugendt vnd vernunfft, damit vnser vnd des Reichs lieber getrewer Tobias Oberlender vor Vnnser Kay. Maytt. beruembt würdet, Auch die getrew, gehorsam, Redelich vnd willigen Dienst, so nit allein seine Vor Eltern vnsern höchgstgeehrten Vorfahren zu Kriegs vnd Friedens zeitten, vornemblich aber wider den Erbvheindt Christlichen Namens den Türcken, Sondern auch Er selbsten Vnns vnd vnserm hochleblichen Haufs Osterreich in vilweeg erczaigt vnd bewiesen vnd seine trew vnd deuotion noch mehrers scheinen lafsen underthenigist orpüttig ist, auch wol thun mag vnd soll. So haben wir demnach mit wolbedachtem mueth, guetem rat vnd rechter wissen gedchten Thobiam Oberlender, auch seinen Eheliche Leibs Erben vnd derselben Erbens Erben Mann vnd Frawen Personen in den Standt vnd gradt des Adels vnserer vnd des Heiligen Reichs, auch vnserer Erb-Kunigreich, Fürstenthumb vnd Lande rechtgebornen Lehens Thurniers genoss vnd Rittermässigen Edelleuth von newem widrumb erhebt, darczu gewürdigt, geschöpfft, geadelt vnd Sy der Schar, Gesellschaft vnd gemainschafft des Adels zuegefuegt, zuegesellt vnd vergleichet. Vnnd zu mehrer gezeuchnus vnd gedechtnus solcher Vnserer Gnaden vnd widrumb von newem Erhebung in den Standt vnd Grad des Adels Haben Wir Ihme sein bißher geführt Adelich Wappen vnd Clainot, So mit namen ist ain rott oder Rubinfarber Schilt, darinnen ain weiß oder Sylberfärber Eißen Hammer mit fürwerts gekerten Loch. Auf dem Schilt ain freyer offner Thurniers Helm baiderseits mit rott vnd weisser Helmdecken vnd darob ainer goldtfarben Kuniglichen Cron geziert. Darauff zwischen zween gelb oder goldtfarben Stangen yede mit drey aufswerts gekerten abgestimmlten ästlein, erscheinet abermals der Hammer wie im Schilt, doch etwas klainer vnd vber demselben der zwerg nach gestalt ain Sylberfarbner Hilß mit seinem runden Loch. Alsdann solch Adelich Wappen vnd Clainet in mitte Vnnsers Kaiserlichen Briefs gemahlet vnd mit farben aigentlichen aufsgestrichen ist, auch widrumb von newem verlihen vnd gegeben vnd sambt seinen Ehrlichen Leibs Erben vnd derselben Erbens Erben Mann vnd Frawen Personen hinfuro in ewig Zeiten also zu fuhren vnd zu geprauchen gnediglich gegent vnd erlaubt, Thun das vnd geben Inen solche Gnad vnd Freyhait, Erhaben, würdigen vnd sczen Sy also widrumb von newem in den Standt vnd grad des Adels Vnserer vnd des Reichs auch unserer Erb Kunigreich, Fürstenthumb vnd Landt recht Edel gespornen Lehens Thurniers genoß vnd Rittermessigen Edelleuten, Gönnen vnd erlauben Inen auch obstehent Adelich Wappen vnd Clainot hinfüro in ewigkeit also zu fueren vnd zu geprauch alles von Römisch Kaiserlicher Macht volkomenhait hiemit wissentlich in craft diß Briefß, Vnnd mainen, seczen vnd wollen, Das hinfür vorgemeldten Tobias Oberlender, auch seine Ehliche Leibs Erben vnd derselben Erbens Erben Manns vnd Frawen Personen hinfüro in Ewigkeit recht geborne Lehens Thurniers genoß vnd Rittermässige Edelleuth sein, gehaisen vnd von menniglich dafür erkent, geehrt, genent vnd geschriben werden, auch alle vnd yeglich Gnad, Ehr, Würde, Vorthl, Freyhait, Recht, Gerechtigkait alt herkomen vnd guet gewonhait haben mit Beneficien auf Thumbstifften, auch hohe vnd nidere ämpter vnd Lehen Geistliche vnd Weltliche anzunemen, zu emphahen, zu haben vnd zu tragen mit andern vnsem vnd des Reichs auch vnserer Erb Kunigreich, Fürstenthumb vnd Lande rechtgebornen Lehens, Thurniergenoß vnd Rittermässigen Edelleuth in alle vnd yegliche Thurnier zu reitten, zu Thurniern mit inen Lehen vnd all ander Gericht vnd Recht zu besiczen, Vrthl zu schöpffen vnd Recht zu sprechen, das alles thailhafftig, würdig, empfencklich vnd darczu tauglich, Geschickt vnd guet sein vnd sich des alles auch obbeschribenen Adelichen Wappen vnd Clainots in allen vnd yeglichen Ehrlichen, redelichen, Adelichen, Ritterlichen Sachen vnd Geschäfften zu Schimpff vnd zu ernst in Stürmen, Streitten, Kempffen, Thurnieren, Gestechen, Gefechten Ritterspielen, Veldtzugen, paniern, Geczelten, Auffschlagen, Insigeln, Pettschaften, Clainoten, Begrebnussen, Gemeldten vnd sonst an allen ortten vnd enden nach iren Ehrn, nottdorften, willen vnd wolgefallen frewen, geprauchen vnd geniessen sollen vnd mögen, wie andere Vnserer vnd des Reichs auch vnserer Erb Kunigreich, Fürstenthumb vnd Lande recht geborne Lehns Thurniergenoß vnd Rittermässigen Edelleuth solches alles haben, sich deßen frewen, geprauchen vnd geniessen von recht oder gewonhait von allermeniglich vnverhindert. Vnd gepieten darauff allen vnd yeden Churfürsten vnd Fürsten Geistlichen vnd Weltlichen, Prälaten, Graven, Freyen, Herrn, Rittern, Knechten, Landt Marschalche, Landt Hauptleuthen, Landesvögten, Hauptleuthen, Viczdomen, Vögten, Pflegern, Verwesern, Amptleuthen, Landt Richtern,Schuldthaißen, Bürgermaistern, Richtern, Räthen, Kündigern der Wappen, Ehrnholden, Persevanten, Bürgern, Gemaindten vnd sonst allen andern Vnsern vnd des Heiligen Reichs, auch vnser Erb Kunigreich, Kurfürstenthumb vnd Lande Vnterthanen vnd getewen, in was Würden Stand oder wesen die seind Ernstlich vnd vestiglich mit disem Brieff Vnnd wollen das Sy mehrbesagten Tobias Oberlender auch seine Ehrliche Leibs Erben vnd derselben Erben Erben Manns vnd Frawen Personen an den ober czöhlten vnserm Kaiserlichen Gnaden, Begabungen, Freyhaiten, Vorhailn, Recht, Gerechtigkaiten, Gesellschafften, Gemainschafften vnd widrum von newem Erhebung inn den Standt vnd Grad des Adels, auch Adelichen Wappen vnd Clairot mit hindern noch irren, sondern Sy deren aller reichlich vnd ohn alle irrung frewen, geprauchen, geniessen vnd genczabey bleiben laßen, hiewider nicht thun noch das yemandts anderm zu thun gestatten in kain weiß noch weeg, als lieb ainem yeden sey vnser vnd des Reichs schwarzer Ungnad vnd Straff vnd dar czu ain Peen nemlich Fünffczig Marck Löttigs Goldts zu vermeiden, die ain yeder so offt Er fröuentlich hierwider thet, Vnns halb in vnser vnd des Reichs Camer vnd den andern halber theil vilgemeldtem Thobias Oberlender, seinen Ehlichen Leibs Erben vnd derselben Erbens Erben vnnachläßlich zu bezahlen verfallen sein soll, Doch andern, die vielleicht dem vorgeschriben Adelichen Wappen und Clairot gleich führen, an Jren Wappen vnd Rechten vneurgriffen vnd unschädlich. Mit vrkundt ditz Brieffs gesigelt mit vnserm Kaiserlichen anhangendem Jnsigl, Der geben ist in vnser Statt Wien den Vierczehnden tag des Monats July Nach Christi vnsers lieben Herrn vnd Seligmachers Geburt Schzehen Hundert Drey vnd zwainczigisten. Unser Reich des Römischn im Vierten, des Hungerischen im Sechsten vnd des Behaimbschen im Siebten Jahren

Ferdinand

vt

(Peter Heinrich zu Stralendorff)
(Ad mandatum scrae Caesareae

Majestis proprium)

(S N Puncher)

Das Eingeklammerte ist nach dem Druck bei Biedermann ergänzt.
Das Gesuch des Tobias Oberländer an den Kaiser ist noch als Abschrift im Archiv des Wiener Bundeskanzleramtes (Inneres) Abt. 12 vorhanden und in dieser Form undatiert, stammt aber zweifelos, wie das kaiserliche Diplom aus dem Jahre 1623.

Auf Grund dieses für Tobias Oberländer ausgestellten Adelsbrief wurde 1839 sein Nachkomme der Unterleutnant im 11. bayrischen Infantrie-Regiment "Friedrich Hartling" in die bayrische Adelsmatrikel eingetragen, aber die diesem Register mitgeteilte Blasonierung des Wappens erklärt das Schildbild nicht als Hammereisen, sondern als Radnabe, was natürlich falsch ist. Die Nachkommen des Tobias und seiner drei Geschlechtsvettern aus dem Haus Lemmnitzhammer waren also seit 1623 unzweifelhaft adelig. Der letzte Zweig und das aus ihm hervorgegangene Haus Oberleutersdorf sind bereits im 18. Jahrhundert erloschen. Dagegen leben noch heute Nachkommen des Tobias und seines Enkels Johann Sebastian, der das jüngere Haus Rudolfstein eröffnete. Sie wohnen in österreich und ein Vertreter von ihnen, Herr k.u.k. Oberstleutnant a. D. Hermann Gustav v. Oberländer in Wien hat mir in liebenswürdiger Weise das urkundliche Material für die Feststellung seiner Familie, soweit sie im Rahmen dieser genealogischen Arbeit verwendet werden kann, zur Verfügung gestellt. Dafür sei ihm hier bester Dank ausgesprochen.

Der Adelsbrief von Kaiser Ferdinand II.

Quelle: Genealogie der Oberländer, in meinem Besitz, Verfasser unbekannt.

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