Pfad://Wurzeln/Die alten Oberländer 05

Die alten Oberländer 05 Namen und Wappen der Familie Oberländer

Wappen

Ein geschnitztes Wappen der Oberländers.

Der Name der Familie Oberländer ist zweifellos von einem Oberland abzuleiten und weil sie Ende des 14. Jahrhunderts zuerst im damaligen Geraischen , später reußischem Oberlande auftritt, könnte man zunächst an dieses Denken. Dagegen spricht aber, dass Oberländer eine Herkunftsbezeichnung ist. Also musste sich hier um ein anderes Oberland handeln, und dem damit erhält die alte Familiensage, dass der erste Oberländer aus der bayerischen Oberpfalz in die Herrschaft Lobenstein eingewandert ist und hier den Saalhammer erworben hat, einen weiteren Grund innerer Wahrscheinlichkeit. Das vogtländische Oberland war von der Oberpfalz durch das wichtige Bürge getrennt unterlag immer noch etwas tiefer als jenes Gebiet der Wasserscheide zwischen Rhein, Donau und Elbe, so dass das hinter dem Gebirge liegende Hochland von den Bewohnern des Saaletals als Oberland angesprochen werden konnte. Die Oberpfalz war endlich die richtige Heimat für Bergbau und Hammerbetriebe, und so dürfte auch der Oberländer auf dem Saalhammer aus ihr gekommen sein.
Das alte ursprüngliche Wappen der Familie Oberländer reicht jedenfalls bis in das Mittelalter zurück. Das in ihm dreimal wiederkehrende Hammereisen beruht auf dem alten Gewerbe derselben als Hammerschmiede und mag ursprünglich aus einer Haus Marke hervorgegangen sein, womit sie ihr Inventar zeichnete. Das später schon völlig entwickelte Wappen zeigt die heraldische Ausstattung der jüngsten Renaissance. Um seine Entwicklung dazutun, führen wir hier einige ältere und nach der Zeit ihres vorkommen des geordnete Wappensiegel auf:

Schildsiegel des Georg Oberländer, damals Vorsteher des Kloster zu Bürgel (Linie Oberländer an der Saale, Haus Neustadt), im Schreiben von 1527 18.5. (im Staatsarchiv Rudolfstadt). Im Schilde das gelockte Hammereisen, darüber G. O.

Schildsiegel des Georg Oberländer, Schössers zu Schleiz, im Schreiben von 1527 22.06. der gleiche Schild.

Schildsiegel des Nickel Oberländer, ob der breiten Wiese im Schreiben von 1536 26.2. Im Schilde das gleiche Hammereisen, darüber N. O.

Schildsiegel des Sebastian (Bastian) Oberländer auf Lehmnitzhammer im Schreiben von 1536 2. 4. im Schilde das gleiche Hammereisen, darüber B.O.

Schildsiegel des Lorenz Oberländer im Schreiben von 1552 25. 2. im Schilde das gleiche Bild, darüber L.O.

Vollsiegel des Wilhelm Oberländer zu Klapfenberg an Urkunde von 1581 9.11. (im Reichsarchiv München). Im Schilde das gelockte Hammereisen, auf dem gekrönten Helm zwei dürre äste, dazwischen auf dem Helm stehend das gleiche Hammereisen. Der Spitzhammer zwischen den oberen Endpunkten der äste fehlt hier. Umschrift: WILHELM OBERLäNDER.

Vollsiegel des Hans (Johann) Oberländer in Rechnung von 1606 28.11. Im Schilde das gelockte Hammereisen, auf dem gekrönten Helm die dürren äste, dazwischen wieder das Hammereisen und zwischen den oberen Endpunkten der erste das gelockte zweispitzige Hammereisen. Neben den ästen noch Aussen H.O.

Vollsiegel des Hans Oberländer zu Naila im Schreiben vom 1607 30.8. (Kreisarchiv Bamberg). Dasselbe Bild. Daneben H.O.

Vollsiegel des Johann Oberländer, Schössers in Leutenberg im Schreiben von 1647 (im Staatsarchiv Rudolfstadt). In Schilde das gleiche Hammereisen, auf dem Helme die äste ohne Hammereisen. Daneben nach unteren J.O.
da also alle drei Haupt Linien des Geschlechtes (an der Saale, an der Selbitz und im Schwarzburgischen) dasselbe Bild im Schilde und auf dem Helme führen, müssen sie eines Stammes sein und sind unbedenklich von dem 1389 auf Saalhammer gesessenen Heinrich Oberländer abzuleiten

^

Späterhin haben sich bei den Oberländerschen Wappen manche Irrtümer und Willkürlichkeiten eingeschlichen. Schon der erwähnte kaiserliche Adels rief von 1623 weist ein kleines Missverständnis auf. Man konnte offenbar in der kaiserlichen Hofkanzlei zu Wien den zweispitzigen Hammer, der beim Bergbau verwandt wird und Haue (mitteldeutsch hauwe) heißt, nicht und so erklärte man ihn in dem Adelsbrief als " eine Hülle mit rundem Loch ". Auch auf späteren Oberländerschen besiegeln erscheint dieses Eisen zuweilen nur als einfacher Strich mit Ring in der Mittel. Ferner wurde auch das Hammereisen im Schilde und auf dem Helme völlig verkannt. So erklärte man es laut des schon ebenfalls erwähnten Eintrags in die bayrische Adelsmatrikel von 1839 als Radnabe und anders so das Eisen der Haue für ein "Mühleisen" , wobei noch zweifelhaft bleibt, was man sich überhaupt unter letzteren vorstellte. Auch noch größere Willkürlichkeit entkommen vor. Ein kurfürstlicher Otternfänger Hans Oberländer (auch Oberender geschrieben - unter welcher Namensform noch heute Nachkommen von ihm in Coburg leben, der von 1554 bis 1575 urkundlich erscheint, führte offenbar in Bezug auf seinem Wohnort einen Lindenzweig in Siegel. Die Langenbernsdorfer Oberländer sollen zwei verschlungenen Hände darin haben. Auf einem anderen Oberländerschen Siegel, welches 1823 Hans-Heinrich Oberländer auf der Hausmülle in Gera unterm Haus führte, sieht man in der Mitte das gelockte Hammereisen, rechts (im heraldischen Sinne) davor eine Winkeleisen, das von einem offenen Zirkel durchschnitten wird, unten links vom Hammer ein halbes Müherad. Hier haben wir also neben dem Stammwappen (Hammereisen) der Familie die bekannten Attribute des Müllergewerbes. Die Figur von Winkel und Zirkel wurde übrigens einmal von einer der berüchtigten Wappenfabriken, an welche sich ein sächsischer Vertreter des Namens Oberländer wegen Erklärung seine Siegel des gewandt hatte, arg verkannt. Sie erklärte das Gebilde für einen Stuhllehne und schloss daraus, dass der Name der Familie eigentlich "Oberlehnder" gelautet habe. Viele Oberländer der neuen Zeit führen überhaupt kein Wappen, wobei ihre Vorfahren solches schon vergessen haben.

Die Blasonierung und Tingierung des Wappens, welche der zum Freiherrn erhobene Edurd Oberländer in Meinigen 1865 erhielt, waren im Schilde ein silberner Balken im schwarzen Felde und auf dem Helm ein schwarz und silberner offner Flug (Flügel). Auch hier handlet es sich natürlich um ein bloßes Phantasiegebilde, das man wählte, weil man das alte Oberländersche Wappen nicht kannte. - Nach dem kaiserlichen Adelsbrief von 1623 - nur mit der einzigen Berichtigung, daß für die silberne Hülle das Eisen der Haue einzusetzen ist - muß das Wappen des Geschlechts folgendermaßen beschrieben werden:

Schild:
Ein weißes oder silbernes Hammereisen mit Stielloch im roten Felde.

Helm:
Gekrönt, darauf zwischen zwei gelben bzw. goldenen und mit je 3 Zweigstummeln versehenen dürren ästen das gleiche Hammereisen, während die oberen Endpunkte der äste durch ein zweispitziges schmales Hammereisen (d. Haue) mir Stielloch verbunden sind.

Helmdecken:
Rot und weiß bzw. silbern.

Das Wappen ist unzweifelhaft mit dem Gewerbe der Hammerschmiede, welches die Oberländer Jahrhunderte lang ausübten, in Verbindung zu bringen.

Quelle: Genealogie der Oberländer, in meinem Besitz, Verfasser unbekannt.

Seite zurück

Schutzrechtsverletzung:

Falls Sie vermuten, dass von dieser Website aus eines Ihrer Schutzrechte verletzt wird, teilen Sie das bitte umgehend per elektronischer Post mit, damit zügig Abhilfe geschafft werden kann. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis: Die zeitaufwändigere Einschaltung eines Anwaltes zur für den Diensteanbieter kostenpflichtigen Abmahnung entspricht nicht dessen wirklichen oder mutmaßlichen Willen.

Seitenanfang