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:: Das Brot der Photographen die „Carte de Visite“ ::

Die Carte de Visite bedeutet heute ein hochinteressantes Sammelgebiet! Sie hat es genau genommen bereits vor der Erfindung der Photographie gegeben. Das Format und die Aufmachung, ein Pappkärtchen mit einem kleinen aufgezogenen Bild wurde schon als Scherenschnitt, Zeichnung oder als Miniaturmalerei angeboten. Es wurde oft als Gastgeschenk „zur freundlichen Erinnerung“ mitgebracht. Es bot sich also an, die Photographie „zur natürlichen Abbildung seiner selbst“ zu nutzen. Das erkannte dann der Photograph Disderie und machte durch seinen Riesenerfolg das Bildchen populär und für bald 60 Jahre zum Brot der damaligen Photographenschaft.

Einige Ideen wurden zu einem Produkt zusammen gefasst.
1. Die naturgetreue bis geschönte Darstellung des Porträtierten.
2. Sie musste preiswert und für einen großen Kundenkreis auch in größter Stückzahl erschwinglich sein.
3. Es musste klein sein, zum Sammeln und zum bei sich tragen geeignet.
4. Das Bild sollte in Verborgenheit getragen oder bewahrt werden und trotzdem zum schnellen Zeigen für einen speziellen Personenkreis präsent sein.
5. Eine einheitliche Größe, an die sich jeder Anbieter halten sollte, war Bedingung.

Eine „Carte de Visite“ Kamera mit vier Objektiven, um mit einer Belichtung vier Bilder machen zu können, die dann mit einer Kopie entstanden und zerschnitten wurden.

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Foto Quelle: Private Sammlung Paul Volkmann, Hamburg

CdV-Kamera Aus diesen Auflagen heraus erblüht die Erfindung der „Carte de Visite“. Die erste nachweisliche CdV wird dem Photographen „Dodero“ aus Marseille zugeschrieben. Er hatte 1851 die lustige Idee, statt eines Namens sein Porträt auf seiner Visitenkarte anzubringen. 1854 erhielt „Disderie“ ein Patent hierauf. Er war ein sehr geachteter Photograph und als er Napoleon III. auf einer solchen Karte ablichtete und sie in großen Stückzahlen der Öffentlichkeit verkaufte, gab es für das Massengeschäft kein Halten mehr. Kameras mit vier oder auch sechs Objektiven, ausschließlich für die Abbildung mit einem Schuß wurden konstruiert.

Allerorts sprangen Photographenateliers mit guten und weniger guten Produkten aus dem Boden. Für tausende von europäischen Photographen war das Produkt auf Jahre hinaus die Existenzgrundlage. Es gab Künstler und primitiv arbeitende Scharlatane unter ihnen. Auch die Material- und Zubehör-Industrie blühte. Rahmen und aufwendige Schmuckalben in vielfacher Ausführung gefüllt mit CdV´s fehlten in keinem gutbürgerlichen Haushalt.

Die wunderschönen und interessanten Rückseiten sind bereits ein immer noch preiswertes Sammelgebiet für sich. An ihnen kann man bereits eine Datierung der Aufnahme vornehmen. Anfänglich gab es kaum Beschriftung auf den Rückseiten. Bald erkannte man die leere Fläche als Werbeträger für den Operateur und über Stempel bis hin zur aufwendigen Gestaltung füllte sich zunehmend die Rückseite.

Mit dem Ende des 1. Weltkrieges war dann auch unwiderruflich das Ende der Carte de Visite gekommen. Die Photopostkarte trat dann, nicht mehr aufgezogen auf Karton, ihren Siegeszug an.
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Quelle: Mit freundlicher Genehmigung Archiv Bernd Renard



:: Was kostet die „Carte de Visite“ ::

Eine Portraitfotografie kostet 1850 etwa den Wochenlohn eines Facharbeiters. Die Fotoapparate und die Kosten für das Foto sind nur von gutbürgerlichen oder adeligen Kunden zu bezahlen. Im Jahre 1896 lag der Durchschnitts-Monatslohn eines Hamburger Hafenarbeiters bei brutto 61 Mark - bei 13 bis 14 Stunden täglicher Arbeit.

Um 1900 kostete ein Kilo

Kartoffeln 0,04 Mark
Schweinefleisch 1,45 Mark
Roggenbrot 0,28 Mark
Speck 1,80 Mark


1 Photograph aus Kiel und 1 Photograph aus Berlin zeigen die Kosten für die verschiedenen Fotografien auf den Rückseiten der Carte de Visites.

Atelier Georg Billström Kiel, Holstenstrasse 22.
Preis-Courant.
1 Dtzd. Visitenkarten ganze Figur oder Kniebilder für Erwachsene M. 3.-
1 Dtzd. Kinderbilder ". 4.50
1 Dtzd. Brustbilder ". 4.50
1 Dtzd. Gruppenbilder, 2 oder mehrere Personen ". 4.50
1 Dtzd. Cabinetbilder ganze Figur oder Kniebilder für Erwachsene ". 12.-
½ Dtzd. do. do. ". 8.-
¼ Dtzd. do. do. ". 5.-
1 Dtzd. Kinderbilder ". 18.-
½ Dtzd. do. do. ". 12.-
¼ Dtzd. do. do. ". 7.-
1 Dtzd. Cabinet,- Brust,- oder Gruppenbilder ". 18.-
½ Dtzd. do. do. do. ". 12.-
¼ Dtzd. do. do. do. ". 7.-
Die Bilder werden in schöner Ausführung und wird für Haltbarkeit garantiert.

Rückseite


Photographisches Atelier von H. Grundlach Berlin S. Prinzenstaße 11.
Preisverzeichniss:
Visites.
Ganze Figur á Dutzend 4 Mark.
Knie- oder Brust-Bild á Dtzd. 5 Mark.
Grosse Köpfe á Dtzd. 6 Mark.
Militairs. á Dtzd. nur 4 Mark.

Cabinets.
Ganze Figur á Dutzend 10 Mark.
Knie- oder Brust-Bild á Dtzd. 15 Mark.
Grosse Köpfe á Dtzd. 20 Mark.
Grössere Bilder entsprechend billiger.

Rückseite


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::: Diese Datei wurde am 15.09.2014 erstellt und am 14.02.2015 zum letzten Mal aktualisiert :::